Ein schwerfälliger Start mit positivem Ende

Noch leicht ungläubig trafen wir uns am Samstagvormittag 10:30 Uhr am Brandenburger Bahnhof. Nach vier sonntäglichen Punktspielen durften wir erstmals an einem Samstag ran und unser Zeitgefühl war dadurch doch etwas verschoben. Nichtsdestotrotz machten wir uns motiviert auf nach Berlin. Nun ja, leider nicht komplett. Der Männerschnupfen hatte Trainer Micha fest in seinen Fängen.


So hatte Co-Trainer Lars also die Führung von unserem Elf Frauen starken Kader übernommen. Und äußerlich ließ er sich von dieser Aufgabe nicht beeindrucken. 💪Normalerweise ist eine Fahrt zum Punktspiel nicht sonderlich spannend. Das war sie auch diesmal nicht, aber die anderthalb Stunden fühlten sich doch so unglaublich lang an, dass die Fahrt dennoch in diesem Bericht ihre Erwähnung finden muss. Wir fuhren doch nur nach Berlin! (Spoiler Alarm: Die Rücktour war sogar noch zäher… 🚗) Nun ja, wir trotzten der Versuchung durch IKEA und fanden uns pünktlich in der Halle ein und begannen unser übliches Erwärmungsprozedere. Der Marzahner VC, zu diesem Zeitpunkt auf Platz 3 der Tabelle, konnte bislang noch keinen Heimsieg erzielen. Und diesen Gefallen wollten wir Ihnen auch heute nicht tun. Wir starteten mit folgender Aufstellung in den ersten Satz: Schnelli auf Zuspiel, Vicky auf Dia, Fred und Sabrina auf Mitte und Heidi und ich (Sophie) auf Außen. Aber wie so oft ließen wir uns erst einmal treiben und ließen unseren Gegner das Spiel bestimmen. Punktemäßig liefen wir immer Marzahn hinterher, auch die Auszeit von Lars beim Stand 8:13 konnte uns noch nicht aus unserem Tiefschlaf erwecken. Erst beim Stand 11:18 schien ein Ruck durch die Mannschaft zu gehen. Ganz so einfach wollten wir den ersten Satz nun wirklich nicht verschenken. Endlich fingen wir an, laut zu werden und Stimmung zu machen. Punkt für Punkt kämpften wir uns näher an Marzahn heran. Auch wenn dieser Satz mit 22:25 nicht auf unser Konto ging, konnten wir doch mit gestärkter Brust herausgehen. Die Blamage war abgewendet und unser Ehrgeiz endlich geweckt! Den zweiten Satz tauschte Caro mit Fred die Position und wir begannen sofort mit ordentlichem Druck. So konnten wir uns bereits früh punktemäßig absetzen und bauten unseren Vorsprung bis zum Schluss weiter aus. Dementsprechend ging Satz Nummer 2 souverän mit 25:18 an uns! Getreu dem Motto: 'Never change a running system!' blieb die Aufstellung, wie sie war. Den dritten Satz entschieden wir mit 25:16 für uns. Auch wenn beide Satzgewinne relativ eindeutig für uns ausfielen, so war der Weg dorthin doch sehr schwerfällig. 😩 Unsere Angriffe waren nicht ganz so druckvoll, wie wir es von uns gewohnt waren, sodass die Marzahner Mädels irgendwie immer noch einen Arm unter den Ball bekamen. Zudem machten wir uns selbst mal wieder das Leben schwer, indem wir uns grundlos überhastet einfache Fehler leisteten und Dankebälle verschenkten.😑
Auch beim Schiedsgericht gab es kuriose Entscheidungen. Es kam das Gefühl vom 'Gegenteiltag' auf: Aus wurde zu In, Block zu Übergriff und umgekehrt und selbst Ball auf Boden war noch lange kein Grund, abzupfeifen. Immerhin waren die Kuriositäten bei beiden Mannschaften halbwegs ausgeglichen. Trotzdem wurde erbittert diskutiert. *hust* Heidi bekam später ‘ne gelbe Karte… *hust* Doch genug vom Schiedsgericht, weiter geht es zum alles entscheidenden Satz Nummer 4!

Es begann ausgeglichen, bis sich Marzahn einen plötzlich einen Vorsprung erarbeiten konnte. Statt kühlen Kopf zu bewahren, ließen wir der Hektik mal wieder die Oberhand und schlugen unsere Angriffe wild ins Aus oder direkt in die Arme der Marzahner Spielerinnen. Beim Stand von 7:11 entschied sich Lars für frischen Wind und schickte Anna für mich auf's Feld. Und siehe da: Erster Pass und Punkt! Jetzt waren alle wieder da. Der Auswechsler-Fanblock brüllte, was die Lunge hergab und der Sechser kämpfte sich punktemäßig wieder nach vorn. Beim Stand von 23:20 nahm Lars eine Auszeit, um uns zu beschwören, den Sack nun einfach zu zumachen. Leider funktionierte das nicht ganz. Schon gab es bei 24:22 die nächste Auszeit und zum ersten Mal war Lars – unser immer entspannter Larsi – RICHTIG wütend.

Er atmete tief ein und sprach mit ruhiger Stimme: „Das war ja mal gar nichts!“😰 Wisst Ihr noch, früher wenn Ihr was Schlimmes angestellt hattet und Eure Eltern sagten: „Wir sind nicht sauer, wir sind nur sehr enttäuscht.“? So ungefähr fühlte sich das an. Also wieder rauf auf's Feld und den Satzball endlich verwandelt. Geht doch! 3 Punkte gehen auf unser Konto und wir nehmen nun Platz 3 in der Tabelle ein. Nach zwei nicht ganz so erfolgreichen Spieltagen sollten wir über diesen Sieg euphorisch sein, doch so richtig wollte sich die Freude im Nachhinein nicht einstellen. Zu groß war die Unzufriedenheit über unsere Fehler. Wir haben noch einige Baustellen, an denen wir dringend bis zum nächsten Spiel arbeiten wollen.
Am 2.11. haben wir bereits wieder Gelegenheit in heimischer Halle gegen den SC Potsdam II unser eigenes Spiel zu steigern und hoffentlich mit Unterstützung unserer Fans dem Absteiger aus der dritten Liga weitere Punkte abzuringen.

Bericht:
Sophie

Es spielten:
Frederike "Fred" Schubert (1), Saskia Böttger (3), Sophie Neuberger (5), Ulrike Hönig (6), Sabrina Harnisch (7), Anna Zehle (8), Stefanie „Schnelli“ Weber (9), Anja Seiler (10), Caroline Voigt (12), Victoria Luise „Vicky“ Saage (13), Eileen "Heidi" Heidepriem (18)

Ergebnis:
VCB I – Marzahner VC 3:1 (22:25, 25:18, 25:16, 25:22)